Während der letzten Schulwoche vom 27. bis 29. Juli 2026 begaben sich Schülerinnen und Schüler des Geographie-Leistungsfachs und der Grundkurse der Q12 auf eine Exkursion in die Ötztaler Alpen. Ziel war es, die im Unterricht behandelten Themen rund um Hochgebirge, Gletscher und den Klimawandel unmittelbar vor Ort zu erleben und wissenschaftliche Inhalte mit eigenen Beobachtungen zu verknüpfen.

Vom Bergsteigerdorf zur Berghütte
Nach der Anreise mit dem Bus nach Vent begann der rund dreistündige Aufstieg zum Hochjoch-Hospiz auf 2.413 Metern Höhe, das für die nächsten Tage als Unterkunft und Ausgangspunkt diente. Bereits auf dem Weg vermittelten die Lehrkräfte und die Glaziologin Valerie vom Alfred-Wegener-Institut spannende Einblicke in die Entstehung der Alpen, die Geschichte der Gletscherforschung sowie die tiefgreifende Prägung der Landschaft durch das Eis. Besonders eindrucksvoll waren die ehemaligen Gletscherstände, insbesondere der Höchststand von 1850, die das enorme Ausmaß des Gletscherrückgangs sichtbar machten. Zusätzlich wurde auch die Veränderung der Höhenstufen deutlich: Von montanen Wäldern ging es über die Baumgrenze durch die alpine Zwergstrauch- und Grasvegetation bis hin zur nivalen Zone mit nahezu vegetationsfreien Bereichen. Dort konnten typische Tierarten wie Murmeltiere, Alpenschneehühner, Steinböcke und sogar Bartgeier beobachtet werden.
Zwei Wege – ein gemeinsames Ziel
Am zweiten Tag teilte sich die Gruppe. Ein Teil der Schülerinnen und Schüler überquerte gemeinsam mit Herrn Merz, Herrn Jetschni und zwei Bergführern den Kesselwandferner bis zum Brandenburger Haus auf über 3.200 Metern Höhe. Angeseilt und mit entsprechender Sicherheitsausrüstung erhielten sie einen authentischen Einblick in das Begehen eines Gletschers und konnten Schmelzwasserbäche, Gletschermühlen und Gletschertische sowie die beeindruckende Hochgebirgslandschaft aus nächster Nähe erleben. Zudem konnte in einer Randkluft eine Eishöhle bestaunt werden. Besonders eindrucksvoll war der direkte Vergleich zwischen den heutigen Eisflächen und den noch deutlich erkennbaren Spuren der einst wesentlich größeren Gletscher. Die erfahrenen Bergführer berichteten aus jahrzehntelanger Erfahrung über die rasanten Veränderungen der Gletscherlandschaft. Ergänzend wurden Untersuchungen zur Wasserleitfähigkeit durchgeführt, um Veränderungen der Wasserzusammensetzung vom Gletscher bis ins Tal nachzuvollziehen.



Die zweite Gruppe bestieg gemeinsam mit Frau Kästner, Herrn Keller sowie der Glaziologin Valerie die Mittlere Guslarspitze (3.128 m). Während des Aufstiegs standen die Entstehung und Dynamik von Gletschern, glaziale Formungsprozesse sowie die Folgen des Klimawandels im Mittelpunkt. Vom Gipfel aus bot sich ein beeindruckender Überblick über das vergletscherte Hochgebirge und die markanten Landschaftsformen, die durch das Eis geschaffen wurden. Anschließend führte die Route bis zum Gletschertor des Hintereisferners, wodurch der Gletscher aus nächster Nähe erlebt werden konnte.




Neben den fachlichen Inhalten kam auch das gemeinsame Erlebnis nicht zu kurz. Das Leben auf der Berghütte, gemeinsame Mahlzeiten, Gespräche und gesellige Abende mit Musikeinlagen machten die Zeit ohne Internetempfang und weitab vom Alltag zu einer besonderen Erfahrung.
Nachhaltiger Tourismus im Vergleich
Am dritten Tag führte der Abstieg zurück nach Vent. Dort erkundeten die Schülerinnen und Schüler das als Bergsteigerdorf ausgezeichnete Dorf und verglichen dessen naturnahen Tourismus mit den Eindrücken aus dem touristisch geprägten Sölden, das die Gruppe bereits auf der Anreise kennengelernt hatte. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich alpine Räume genutzt werden können und welche Chancen und Herausforderungen sich daraus für Mensch und Natur ergeben.
Theorie trifft Wirklichkeit
Die Exkursion verband eindrucksvoll theoretisches Wissen mit praktischen Erfahrungen. Durch die unmittelbare Begegnung mit den Auswirkungen des Klimawandels, den Austausch mit einer Wissenschaftlerin und erfahrenen Bergführern sowie das gemeinsame Erleben im Hochgebirge gewann der Unterrichtsstoff eine besondere Anschaulichkeit. Die drei Tage im Ötztal werden den Schülerinnen und Schülern deshalb sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.







